Indienhilfe Siegburg Prem Sadan e.V.

Rundbrief im November 2014

Liebe Freundinnen und Freunde der Helpers of Mary,

die Kinder von Prem Sadan schicken Ihnen einen lieben Gruß mit einem herzlichen Dank für Ihre Hilfe und Anteilnahme an ihrem Leben und ihrer Zukunft. Wie könnten sie diesen Dank schöner zum Ausdruck bringen als mit einem glücklichen Kinderlachen!

Aktuelles von den Schulkindern

Sr. Regina schreibt: Im Herzen jedes Kindes gibt es eine Sehnsucht nach liebenden Eltern und einem Zuhause. Dabei geht es weniger um Nahrung und einen Schlafplatz, vielmehr um Liebe und Geborgenheit. So wachen wir jeden Morgen mit demselben Anspruch an uns auf: So viel an Liebe und Hoffnung wie möglich armen und notleidenden Kindern zu bringen!

Wie Regina weiterhin schreibt, gehört dazu auch, dass die Schwestern von Anbeginn nach Aufnahme eines Kindes an größten Wert auf Erziehung und Bildung legen. Wenn die Mädchen zu ihnen kommen, kennen sie nicht ein einziges Wort aus dem Englischen. So bemühen sich die Schwestern zunächst, ihnen die notwendigsten Englischkenntnisse zu vermitteln, damit sie in eine Schule aufgenommen werden. Das bedeutet, dass die Mädchen sich sehr anstrengen müssen. Haben sie diese Hürde geschafft, sorgen die Schwestern während der gesamten Schulzeit für eine ergänzende, tägliche „Studienzeit“ in ihrem Haus. Die Kinder erledigen in dieser Zeit ihre Schulaufgaben, bekommen aber auch zusätzlichen Unterricht in verschiedenen, für sie wichtigen Fächern. So sind die Schwestern stolz, dass auch zum neuen Schuljahr 2014 wieder alle Kinder – mit teils überragenden Ergebnissen – in die nächsthöhere Klasse versetzt worden sind!

Schulische bzw. berufliche Ziele erreicht

Sechs Mädchen haben dieses Jahr das Heim verlassen. Zwei von ihnen haben ein Universitätsstudium begonnen, eine ihr Examen in der „großen Krankenpflege“ bestanden und ihre Berufstätigkeit in einem renommierten Krankenhaus begonnen. Aber auch die drei weiteren Mädels sind froh, eine paramedizinische Ausbildung mit einer Abschlussprüfung erfolgreich hinter sich gebracht zu haben. Sie haben ein staatliches Zertifikat erhalten, arbeiten als Pflegehelferinnen in verschiedenen Krankenhäusern und freuen sich riesig, dass sie jetzt einen ausreichenden Lohn, Unterkunft und Verpflegung bekommen. Dies alles wäre ohne Ihre Spenden und Aktivitäten nicht möglich!

Immer wieder: diese leidvolle Herkunft…

Rahal war 11 Jahre alt, als sie im Juli dieses Jahres in Prem Sadan aufgenommen wurde. Bis dahin hatte sie im Slum Malwani gelebt, in einer Hütte mit einem Plastikdach, ohne Wasseranschluss, ohne Fenster und Tür. Die erbärmliche Behausung war nicht einmal von allen Seiten geschlossen. Ihre Mutter war vor drei Jahren an Blutkrebs gestorben. Ihr Vater ist Alkoholiker, depressiv und verwirrt. Ab dem Tod ihrer Mutter hatte sie, die gerade acht Jahre geworden war, alle Hausarbeit zu erledigen, vor allem die Wäsche zu waschen, zu kochen und alle Hausarbeiten zu erledigen. Sie hatte einen älteren Bruder, der ebenfalls nicht zur Schule ging. Er wurde vom Vater in einen Handwerksbetrieb geschickt, wo er jedoch keinen Lohn, sondern nur eine karge Verpflegung erhielt. Als die Marys bei einem Rundgang im Slum zu dieser Hütte kamen, fanden sie das Mädchen umringt von einer Schar junger Männer. Diese Gegend des Slums ist, wie Regina berichtet, alles andere als ein sicherer Platz. Vielmehr leben dort Drogensüchtige und Kriminelle. Kinder werden häufig gekidnappt und verkauft. Als Rahal die Marys sah, bat sie diese inständig, sie mitzunehmen. Auch der Vater erklärte sich einverstanden und so wurde dieser Tag für Rahal zu einem Wendepunkt ihres Lebens. Rahal ist überglücklich, aus ihrem Leben des Erwachsenseins in ihre Kindheit zurückgekehrt zu sein. Sie kann jetzt mit anderen Kindern spielen, trägt saubere Kleidung und bekommt eine gesunde Ernährung.
Rahal war drei Jahre nicht zur Schule gegangen. Eine der Schwestern, Jyoti, „büffelte“ zwei Monate intensiv mit ihr und die Marys sind – wie Regina schreibt – unglaublich stolz, dass Rahal in ihrer altersgemäßen Klasse 6 das Schulpensum gut schafft. Ihr Vater besucht sie einmal im Monat. Sie liebt ihn sehr. Ihr Traumberuf: Arzt, um armen kranken Kindern helfen zu können.

Neues aus unserem Verein

Frau Petra Staszyk, bisher stellvertretende Vorsitzende unseres Vereins, kann aus persönlichen Gründen ihr Amt leider nicht weiter ausüben. Sie hat sich große Verdienste um unseren Verein erworben. Vor rund 25 Jahren hat sie mit ihren Schülerinnen und Schülern am Anno-Gymnasium Verkaufsaktionen für Prem Sadan gestartet und den Grundstein für die großartige Kooperation zwischen dieser Schule und uns gelegt. Als Vorstandsmitglied war die Aufgabe von Frau Staszyk insbesondere, den Kontakt zum Anno-Gymnasium zu halten. Diese Aufgabe wird sie weiterhin für uns wahrnehmen. Der Vorstand hat Herrn Norbert Noll zu ihrem Nachfolger (satzungsgemäß) kooptiert. Wir freuen uns, dass neu in den Vorstandskreis Frau Ulrike Molitor eingetreten ist. Sie ist soeben pensionierte Sportlehrerin am Anno-Gymnasium und deswegen ebenfalls schon vertraut mit unserem Verein.

Viele von Ihnen haben im Mai dieses Jahres Sr. Stella, die temperamentvolle und überaus engagierte Leiterin der Helpers of Mary, sowie Sr. Reshmi im Paul-Schneider-Saal erleben können. Sr. Stella steht seit einem Jahr dem Orden mit rund 300 Schwestern vor, die 62 Stationen in Indien und Afrika betreiben. Sie und Reshmi besuchten innerhalb eines Monats alle 11 deutschen Helferkreise, und weil ihr Gesamtprogramm ziemlich anstrengend war, haben wir ihnen einen Erholungstag „verordnet“. Herr Noll hat sie sachkundig durch das Siebengebirge geleitet und sie waren begeistert von der Natur und der schönen Landschaft.

Eine persönliche Mitteilung zum Schluss

Ab dem kommenden Neujahrstag 2015 befinden wir uns im 30. Jahr des Bestehens unserer Indienhilfe. Ich habe unseren – aus meiner Sicht liebenswerten – Verein während dieser Zeit zusammen mit einigen Weggefährten und mittels Ihrer wunderbaren Treue und Hilfe führen dürfen. Dies habe ich sehr gern getan, meine aber, dass nunmehr die Zeit gekommen ist, im wohlverstandenen Interesse unseres Vereins die Leitung in jüngere Hände zu legen, um rechtzeitig die Kontinuität unserer aller Arbeit für eine gute Zukunft der Indienhilfe zu sichern. Wie allgemein bekannt, besteht in unserer zunehmend materialistisch orientierten Gesellschaft immer weniger die Bereitschaft, sich in Vereinen zu engagieren. Deswegen bin ich besonders glücklich, dass sich Herr Norbert Noll bereit erklärt hat, für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren. Wie Sie aus unseren Rundschreiben wissen, ist er bereits seit Jahren eng mit unserem Verein verbunden. Mit unermüdlichem Engagement organisiert er als Sportlehrer am Anno-Gymnasium stets im Juni den Sponsorenlauf von rund 150 Fünftklässlern und hat auf diese Weise immer wieder für beträchtliche Summen an Sponsorengeldern gesorgt. Ferner arbeitet Herr Noll seit rund einem Jahr im Vorstand mit, ist – wie schon erwähnt – stellvertretender Vorsitzender und hat als erste Maßnahme eine Jugendabteilung ins Leben gerufen.

Die Wahl des neuen Vorsitzenden erfolgt am Freitag, den 23. Januar 2015, 19 Uhr. Die Einladung an Sie alle mit Einzelheiten kommt Anfang Januar. Herr Noll wie auch die anderen, insbesondere die neuen Vorstandsmitglieder, freuen sich auf einen persönlichen Kontakt mit Ihnen. Für mich bedeutet diese Stabsübergabe natürlich keinen Abschied von der Indienhilfe. Solange es in meinen Kräften steht, werde ich mich in irgendeiner Form weiterhin für diese großartigen Marys engagieren. So sage ich Ihnen auch nicht „Adieu“, sondern „Auf Wiedersehen“ – zunächst am 23. Januar, verbunden mit einem ganz herzlichen Dank für all das, was Sie über die Jahre gespendet und geleistet haben. Mit guten Wünschen für eine gesegnete, sinnerfüllte Advents- und Weihnachtszeit (abseits von Kommerz und Hetze) und einen optimistischen Ausblick auf das neue Jahr, das Ihnen die Erfüllung Ihrer Vorstellungen bringen möge,

Ihr

Hermann Morgenstern
www.indienhilfe-siegburg.de